„Mein Baby ist nicht gesund, weil es in der Nacht ständig aufwacht und nicht brav durchschläft.“

Dieses unfassbare Gerücht hält sich hartnäckig. Von der Babyschlaf-Industrie, der Gesellschaft und den Medien wird es immer fleißig weiter befeuert.
Hast du auch schon viele mitleidige Blicke geerntet, weil du dich offen dazu bekannt hast, dass du an unzähligen fast-schlaflosen Nächten schier verzweifelst?

Schlaftrainings und Baby-Camps versprechen dir schnelle Lösungen für deine Nachtruhe. Doch eigentlich sind sie intervenierende Zwangsmaßnahmen, die das natürliche Gespür von Babys für ihre eigenen Bedürfnisse im Keim ersticken.
Lass uns diese Babyschlaf-Mythen mit wissenschaftlichen Fakten entzaubern, die dich als Elternteil so stark unter Druck setzen.

#1 Aufgeklärt: Dein Kind schläft NICHT 12 Stunden durch?

Nach einer Austragezeit von 18 Monaten wäre Durchschlafen kein Problem. Neurologisch gesehen werden Menschenbabys viel unreifer als andere Säugetiere auf die Welt gebracht. Wegen des aufrechten Gangs ist das menschliche Becken viel schmaler gebaut. Deshalb gebären Menschen schon nach neun Monaten.

Zum Geburtstermin beträgt das gehirnliche Entwicklungsstadium gerade einmal ein Drittel des erwachsenen Gehirns. In der Reifezeit des ersten Lebensjahres braucht es für seine Entwicklung extrem viel Energie. Ganz logisch, dass ein Baby öfter nach Nahrung oder Muttermilch verlangt, oder? Deshalb ist Durchschlafen von Säuglingen nicht das natürliche Ziel.

Babys wachen in ihrem natürlichen Zyklus auf. Mit 30 bis 45 Minuten ist dieser deutlich kürzer als beim Erwachsenen. Ab dem Alter von drei Monaten geht man davon aus, dass Kinder etwa fünf bis sechs Stunden schlafen können.

Von der Natur ist vorgesehen, dass die Schlafphasen erst mit der Zeit länger werden. Sie regulieren sich ganz von alleine und stellen sich auf den polyphasischen Schlaf ein.

#2 Aufgeklärt: Aber Kinder brauchen doch extrem viel Schlaf, um sich gut zu entwickeln…

Das Gerücht hält sich echt hartnäckig. Es basiert auf ersten wissenschaftlichen Studien aus dem 19. Jahrhundert. Diese bewiesen, dass Babys und Kleinkinder theoretisch 22 Stunden einfach durchschlafen könnten. Das ist nach heutigem wissenschaftlichen Stand absoluter Mumpiz!

Leider stützen sich nach wie vor viele Schlafcoachings und – trainings darauf …

#3 Aufgeklärt: Babys müssen alleine einschlafen lernen!

Alleine schlafen am zarten Anfang eines Lebens funktioniert einfach nicht. Das ist wissenschaftlich mittlerweile sehr gut erforscht.

Das kindliche Gehirn braucht im frühen Entwicklungsstadium ein zweites Gehirn zur Co-Regulation, an das es sich quasi andocken kann. Von Natur aus sollen Babys gar nicht so schnell wie möglich unabhängig einschlafen. Die Bindungsforschung sagt: im Gegenteil! Ganz unabhängiger Schlaf kann problematisch sein. Denn gemeinsam zur Ruhe zu finden und Körpernähe, festigt die Eltern-Kind-Bindung. Zudem soll es helfen, künftige Bindungsunsicherheit im Erwachsenenalter zu reduzieren.

Steckt hinter diesem Wunsch nicht vielleicht eine Angst? Glauben wir, dass Babys, die nur gemeinsam einschlafen, ihre Abhängigkeit auf weitere Lebenssituationen übertragen? Dass sie immer an Mamas Rockzipfel hängen und nie auf eigenen Beinen stehen werden?

#4 Aufwachen: Schlafregressionen bleiben für immer, wenn du nicht SOFORT gegensteuerst!

Der Terminus Schlafregression wurde geprägt, um kindliche Entwicklungsphasen zu brandmarken, in denen Schlaf plötzlich (noch) chaotisch(er) wird. Wissenschaftlich gesehen absoluter Bullshit.

Es gibt so viele Studien, die belegen, dass das Schlafverhalten per se nicht die Ursache für Regressionen ist. Sondern die verstärkte Ausbildung von Neuroplastizität. In den Regressions-Phasen macht das Gehirn ein Update. Es verschaltet sich neu. Wegen des extrem schnellen Fortschritts der Gehirnleistung, den Wachstumsschüben und der Überflutung mit neuen Reizen schlafen Babys in diesen Zeitabschnitten schlechter. Die 4-Monats-Regression ist übrigens einer der größten Wachstumsschübe in einem Menschenleben.

Gehirnliche Weiterentwicklung ist doch eigentlich etwas Gutes, oder? Etwas, worauf du als Mama oder Papa stolz sein kannst? Aus meiner Sicht ist mit das Schlimmste, Regression zu problematisieren und sofort panisch gegenzusteuern.

#5 Aufgeklärt: Aufwachen ist ein Zeichen für fehlende Gesundheit.

NO! Aufwachen ist gut. Denn die Schlafpausen sind Teil des frühkindlichen Sicherheitssystems. Der Hirnstamm bleibt hellwach. Er vermeidet den Rückzugsmodus – nach dem Motto: Ist mir alles scheißegal. Hauptsache, ich falle meinen Eltern nicht zur Last. Sondern der Hirnstamm kümmert sich um sein Überleben. Deshalb wird ein gesundes Kind aufwachen! Zu lange Tiefschlafphasen steigern vielmehr das Risiko für plötzlichen Kindstod.

Schlafprobleme gibt es de facto nicht!

Zusammengefasst: Schlafzyklen von Babys sind kürzer. Das menschliche Gehirn ist nach der Geburt von Natur aus unreifer. Schlafregressionen sind Bullshit. Unabhängiger Schlaf ist bindungsgefährdend. Aufwachen ist völlig okay.

Wissenschaftlich gesehen, sind viele Mythen völlig falsch. Sie werden dir als suchendem Elternteil von Medien, Influencer, Industrie, Gesellschaft immer wieder aufgedrängt.

Wir müssen unseren Kindern keinen Rahmen für ihren gesunden, natürlichen Schlaf vorgeben. Es gibt keine goldene Regel.

Wir müssen uns immer wieder selbst hinterfragen: Wem dient das, wenn mein Baby durchschläft? Primär nervenschonend für mich – oder dient das wirklich dem Wohl meines Kindes? Projiziere ich meine eigene Ohnmacht auf das Kind?

Wir müssen darauf vertrauen, dass Kinder ihren Plan kennen. Denn Schlaf ist ein homöostatischer Prozess, der sein Gleichgewicht von alleine findet.
Was wir für unsere Kinder und Babys unterstützend tun können ist, die beste natürliche Schlafumgebung zu schaffen. Und im Wirrwarr der unterschiedlichsten Meinungen einen klaren Kopf behalten. Das schafft einen natürlich gesunden Schlaf für volle Kinderblüte statt Zwangsoptimierung.

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