Stillen ist ein naturgegebenes Wunder, ein raffinierter Automatismus – und essenziell für die gesunde Entwicklung von Neugeborenen.

Stillprobleme scheinen in der akzeptierten Mitte unserer Gesellschaft angekommen: Kinder, die sich der Brust zu- und abwenden; Mamas, die Stillhütchen anwenden, weil Frau das nun mal so tut; Mamas, die sich mit Schmerzen abgefunden haben und mit wiederkehrenden Brustwarzenentzündungen kämpfen – oder die nach kurzer Zeit abstillen und aufs Fläschchen umsteigen.

In meiner Praxis begegnen mir oft Eltern, die primär wegen unruhigen Babys oder Kleinkindern Rat suchen. Dass es Probleme beim Stillen gibt, zeigt sich meist erst im Gesprächsverlauf. Dabei hängen fehlende Ruhe bei den Kleinen und Stillprobleme so unglaublich eng zusammen! Stillen ist so viel mehr als die optimale Nahrung für Babys.

Warum ist das so? Ich nehme euch mit auf eine Reise in dieses ausgeklügelte Naturwunder und verrate euch, welchen Beitrag die Osteopathie gegen Stillprobleme leisten kann.

Naturgeschenk Stillen: Grundstein für die Kinderblüte

Stillen und der Kontakt zur Mama legen den allerersten Grundstein für die gesunde Entwicklung des Neugeborenen. Sie sind essenziell und unverzichtbar. Wie sieht die Natur den wunderbaren Mechanismus direkt nach der Geburt eigentlich vor? Wie würde die Situation ohne menschengemachtes Intervenieren ablaufen?

Von der Natur ist vorgesehen, dass das Kind sofort nach der Geburt an die Brust der Mama gelegt wird.

Im mütterlichen Körper löst diese Nähe unter anderem den Milchbildungs- und Milchspende-Reflex hormonell aus. Das Hormon Oxytocin stimuliert zugleich die Rückbildung des Uterus. Die Plazenta löst sich ab. Die Natur leitet die Nachgeburt ganz automatisch ein.

Das Kind nimmt Wärme und Geruch der Mutter wahr. Das Stillen stärkt die Mutter-Kind-Bindung. Der Säugling darf ganz geschützt in seiner neuen Lebenswelt ankommen und seinen Geburtsstress Schritt für Schritt ablegen.

Über Hautkontakt und Muttermilch gelangen zudem gute Bakterien, unter anderem Lactobazillen, von der Mutter zum Kind. Der Startschuss für den Aufbau einer intakten Darmflora.

Mit der Muttermilch erhält das Kind einen hohen Anteil an Immunglobulin A, ein Antikörper. Es stärkt das kindliche Immunsystem und unterstützt es, eine erste Abwehrbarriere gegen Krankheitserreger aufzubauen.

Neben dem initialen Aufbau seiner Immunkraft und der Darmflora, wirkt sich die mechanische Komponente der Saugbewegung auf das Wohlbefinden des Säuglings aus. Das pulsierende Saugen erzeugt eine Art Unterdruck. Hat das Baby Spannungen in Kopf, Brust oder Halswirbelsäule von der Geburt zurückbehalten, trägt der Unterdruck dazu bei, diese zu lösen und in einen entspannten Zustand zu kommen.

Stillen: Was passiert oft tatsächlich direkt nach dem Geburtsprozess?

In vielen medizinischen Einrichtungen das übliche Prozedere: Gebären, Baden, Waschen, Wiegen. Und danach erst – endlich! – der direkte Mama-Baby-Haut-an-Haut-Kontakt und das Stillen.

Im Sinne der Natur sollte das Kind direkt nach der Geburt eigentlich als Allererstes an die mütterliche Brust angelegt werden – noch vor allen anderen Check-ups. Ausnahmen sind natürlich medizinisch unverzichtbare, dringend notwendige Untersuchungen, wie respiratorische Störungen.

Wenn das Kind innerhalb eines medikamentös bestimmten Geburtsprozesses auf die Welt gekommen ist oder unter Zuhilfenahme von mechanischen Kräften, wie einer Saugglocke, steigt die Wahrscheinlichkeit und die Intensität für zurückgebliebene körperliche Spannungen zum Beispiel am Köpfchen oder Nacken.

Winzige Kompressionen, Asymmetrien und kleinste Restriktionen können bereits dafür sorgen, dass verschiedene Stillpositionen für das Kind unbequem sind. Es quengelt, wird zappelig, schreit, überstreckt seinen Körper. Zugleich bräuchte es das Stillen, um seine Selbstregulation zu verbessern und genau diese Spannungen abzubauen.

Ein normales, entspanntes Stillen? Fast unmöglich. Ein Teufelskreis.

Stillprobleme: So unterstützt die Osteopathie.

Osteopathisch betrachte ich bei Stillproblemen die Hirnnerven 9 und 12, die für Mund, Schlund und Zungenmotorik verantwortlich sind. Quasi der Daten Highway für den natürlichen Stillreflex.

Besonders bei Überstreckung der Halswirbelsäule, können diese direkt am Austritt im Hinterhauptbereich sehr stark komprimiert werden.
Durch gezielte Handgriffe kann ich als Osteopath die freie Funktionalität der Nerven fördern – und dadurch den natürlichen Trinkprozess anstoßen. Wenn die Haupt-Nervenleitungen verstopft sind oder während der Geburt in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist ein natürlicher, entspannter Stillprozess fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Damit kann die Osteopathie helfen, einen der wichtigsten Dominosteine umzuschubsen, der dem ganzen kindlichen System hilft, besser zur Ruhe zu kommen: den natürlichen Mechanismus des Stillens.

Stillprobleme: am besten interdisziplinär lösen!

Der Gedanke hat sich (viel zu) tief in den Köpfen vieler Mediziner eingepflanzt: Stillprobleme? Zu kurzes Zungenbändchen! Statt verschiedene Wege und Lösungsansätze in Betracht zu ziehen, wird das Bändchen einfach durchgeschnitten. Zu oft und zu schnell liegt der Fokus auf der Pathologie. Zu oft und zu schnell wird sofort eine definitive Diagnose ausgesprochen.

Ich wünsche mir so sehr, dass Hebammen, Geburtshelfer, Klinikpfleger*innen, Stillberater*innen, Ärzte und Ärztinnen in interdisziplinären Teams zusammenarbeiten, sich austauschen und in ihren Ansätzen gegenseitig ergänzen. Denn um Ressourcen von Gesundheit bei Neugeborenen zu finden, ist es so hilfreich, wenn unterschiedliche Disziplinen ineinander greifen.

Ich wünsche mir so sehr, dass mehr Menschen davon erfahren, dass die Osteopathie ein möglicher sanfter Weg gegen Stillprobleme und Trinkfaulheit ist.
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