Den Gesundheits-Begriff neu denken.

Gesundheit – was verstehen wir eigentlich darunter? Klammheimlich, still und leise hat sich in den Debatten der letzten Monate eine Definition in unseren Gehirnen festgesetzt: Gesundheit ist die vollkommene Abwesenheit von Krankheit. Mit diesem Blog-Beitrag möchte ich dir diesen Gedanken wegspülen. Ich möchte deinen Kopf frei machen für eine ganzheitliche Sicht auf Gesundheit und Krankheit, die eigentlich gar nicht so neu ist, wie sie scheint. Bereit für den AHA-Moment? Lass uns zusammen ergründen, was Gesundheit für dich und dein Kind EIGENTLICH heißt.

Ein Beispiel aus meiner Praxis

Vor einiger Zeit begegnete ich einer kleinen Patientin. Ein Jahr alt. Das Mädchen hatte eine genetische Abweichung, bekannt als Down-Syndrom. Ihr Gesicht und ihr Muskeltonus waren verändert. Ihre Mutter und sie kamen in meine Praxis, weil das kleine Mädchen unter wiederkehrender Bronchitis litt.
Nach schulmedizinischer Diagnostik ein glasklarer Fall: Die Ursache für das anfällige Immunsystem könne auf ihre Grunderkrankung zurückgeführt werden, Trisomie 21. Zudem befand sich das Mädchen gerade in der Kita-Eingewöhnung. Umgeben von Viren und Mikroorganismen stelle sich ein Infekt dadurch automatisch ein.

Bleibt die Frage: Ist das die absolute Wahrheit?

Den Blick für den Menschen öffnen

Als Osteopath gehe ich anders vor. Im Gegensatz zur krankheitsorientierten Schulmedizin, fokussiert sich die Osteopathie auf Felder, in denen sich Gesundheit ausdrückt. Ich betrachtete den Körper der kleinen Patientin unvoreingenommen, ganz unabhängig von der genetischen Abweichung. Schließlich vermutete ich, dass sich zurückgebliebenes Fruchtwasser in den Lungen der Patientin abgesetzt hatte. Dies kann eine dauerhafte Bronchitis verursachen. Nach Abklärung mit einem Lungenfacharzt bestätigte sich diese Diagnose. Drei bis vier Behandlungen und eine erneute pneumologische Nachuntersuchung später ging es dem Mädchen viel besser. Das berührte mich unglaublich.

Oft ist unser Blick auf die Mitmenschen eindimensional und starr. Wir urteilen vorschnell und haben eine vorgefasste Meinung. Wir spulen das Lehrbuch-Wissen ab, das uns das medizinische System eintrichtert. Wir drücken einen Stempel auf – und übersehen den Menschen, der dahinter steckt. Und im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden diese Urteile leider viel zu oft wahr. Zeit, um neu zu denken!

Neu definiert: Gesundheit heißt Wohlbefinden

Definition von Gesundheit: Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.
WHO – World Health Organization

Die WHO setzt Gesundheit mit Wohlbefinden gleich. Daran möchte ich anknüpfen. Es geht nicht darum, dass Kinder hundert Prozent der Zeit keinen Schnupfen haben oder niemals schlecht gelaunt sind. Es geht um den ganzheitlichen Zustand von körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden – nicht, um die totale Abwesenheit von Krankheit. Es geht um eine 360-Grad Perspektive statt um selektive Scheuklappen.

Gesund nach schulmedizinischem Lehrbuch meint primär einen Menschen, dessen technische Werte als gut angesehen werden, wie Blutwerte oder Nährstoffgehalt. Doch ist dieser Mensch tatsächlich gesund, wenn er sich in seiner Haut seit langem nicht mehr wohlfühlt? Wenn er schlecht schläft oder mit mentalen Problemen zu kämpfen hat? Wenn er abgetrennt ist von seinem natürlichen Sein?

In meinen Kursen vermittle ich, dass es zwei Perspektiven gibt, durch die wir als Therapeuten oder bewusste Eltern auf unsere Kinder schauen: den Blick des Wissens und den Blick des Erkennens. Der Wissens-Blick betrachtet das Kind mit dem medizinischen Hintergrund des Lehrbuchs. Der Blick des Erkennens nimmt das Kind unvoreingenommen als Mensch wahr – unabhängig von seiner medizinischen Vorgeschichte.

Warum spüren wir intuitiv, dass wir von unserem Wohlbefinden abweichen – und lächeln das Problem trotzdem weg? Meine Antwort: Brainwashing! Zu welchem Arzt würdest du gehen, wenn du merkst, dass du dich nicht wohlfühlst? Zu welchem Arzt würdest du dein Kind schicken? In unserem jetzigen System wäre das am Ende wohl ein Fall für die Psychologie oder für die Psychatrie.

Übrigens: Gerade so durchkommen und funktionieren hat nichts mit dem eigentlichen Leben zu tun. Für dein Kind (und dich) heißt leben, sich frei zu entfalten, mit sich im Einklang zu sein, seine Bedürfnisse intuitiv auszudrücken, in sich zu ruhen, im Flow sein. DAS ist Gesundheit. DAS ist Wohlbefinden. Wie viele Kinder kennst du, die das können?
Stell dich vor einen Spiegel, schau dich an und frage dich: Bist du gesund? Oder krank? Vielleicht hast du eine chronische Erkrankung – und entdeckst trotzdem Wohlbefinden in dir?

Übungen: Hinterfrage deine Glaubenssätze.

Um dein Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu transformieren, prüfe mit den folgenden Fragen, wie deine Glaubenssätze dich und dein Kind beeinflussen. Wichtig: Schreibe deine Antworten handschriftlich auf, um deine Gedanken über die Kraft der Hände zu manifestieren.

  • Glaubst du wirklich, du bist gesund? Begründe deine Antwort. Wie steht es um dein Kind?
  • Wo ist Raum für Verbesserung? Welche Themen aus dem gesamten Umfeld des Wohlbefindens (physisch, mental, sozial) klammerst du für deine und die Gesundheit deines Kindes aus?
  • Gibt es etwas, das du für deine Gesundheit und für die Gesundheit deiner Familie besser machen kannst? Denke an alle Ebenen (körperlich, geistig, sozial).
  • Gibt es etwas, das eure Gesundheit in eine falsche Richtung lenkt und das du trotzdem ignorierst?

Lass uns gemeinsam eine Revolution für das Wohlbefinden von Kindern starten. Weg von einer dogmatischen Definition von Gesundheit und Krankheit, hin zu einer ganzheitlichen Sicht, die die physischen, mentalen und sozialen Facetten miteinbezieht. Ich freue mich, wenn du diese Botschaft für dich mitnimmst und mir hilfst, sie in die Welt hinauszutragen.

Übrigens: Wenn du lieber hörst statt liest, findest du die Inhalte auch in meinem Podcast „Auftriebskraft“.

Lust und bereit, deiner Berufung und deiner Elternschaft mehr Tiefe und Einzigartigkeit zu schenken? Vielleicht ist mein Master Course etwas für dich. 11 Module, 11 Monate vollgepackt mit gebündelte, neue Erkenntnisse aus der Osteopathie, der Neurobiologie, der Traumaforschung, der Polyvagaltheorie und der Bindungstheorie.

Hol dir mehr Infos zum Master Course